Deauville-Seite von Lutz
ergänzt (Filmen mit der Ville) am 12.05.2019

Filmen mit der Ville


Manchmal frage ich mich schon, worum es mir beim Motorradfahren eigentlich geht. Liest man Berichte von Bikern von vor 20 - 30 Jahren, so erfährt man, dass die den Ständer hochgeklappt, den Schlüssel umgedreht haben und ab ging es. Vielleicht noch eine Karte auf dem Tank. Aber das war es auch. Das war Motorradfahren!
Wie sieht es heute aus? Man beschäftigt sich ja mehr mit der zusätzlich angebrachten Elektronik als mit dem Fahren.  
Ich will mich da auch nicht ausschließen. Im Gegenteil. Ich bin hoch aufgerüstet.
Angefangen über die Möglichkeit, mit der Sozia während der Fahrt zu kommunizieren, Musik über den Helm zu hören, Telefongespräche zu führen oder sich mit dem mitfahrenden Freund über Funk zu verständigen. Geht noch mehr? Klar, man kann auch filmen oder fotografieren.


  Hier die Kamera ohne Befestigungsgehäuse...
  

                  

Entschieden habe ich mich für einen 4K Action Cam GoPro-Clone von Somikon Mit ihr kann man sowohl filmen als auch fotografieren.
Voreinstellungen beim Fotografieren von einem Bild bis zu automatischer Bildfolge in gewissem zeitlichen Abstand
Die Kamera war da, aber die Idee, wo und wie man sie an der Ville befestigen kann, noch nicht. 


  ...und hier im Gehäuse
 


Befestigung am Helm war die nächste Überlegung. Sehr reizvoll, da man mit der Blickrichtung sehr variabel agieren kann. Diese Idee erwies sich allerdings als unbrauchbar, da ich einen Klapphelm trage. Gurt um den Helm geht also nicht und die Klebepads sollen zwar halten, aber diese wollte ich weder an das Klappteil des Helms noch irgendwo an Kunststoffteilen der Ville anbringen, wo man sie nie mehr entfernen kann.

Saugnapfhalter war der nächste Versuch. Schon in der Beschreibung wird darauf hingewiesen, dass man sie nicht gefahrlos benutzen kann, wenn stärkere Erschütterungen drohen. Um nicht Gefahr zu laufen, die Kamera während der Fahrt zu verlieren, habe ich sie noch mit einem Band am Spiegel gesichert. Hätte der Saugnapf versagt, hätte die ganze Konstruktion wenigstens nicht auf der Straße gelegen. Nach 2 Versuchen auch auf etwas schlechteren Straßen hat sich zwar nichts gelöst, aber irgendwie habe ich der Verbindung nicht getraut.

Im Frühjahr war ich wegen einer anderen Sache bei Louis und kam mit einem Mitarbeiter ins Gespräch, der mir erzählte, er habe die Kamera bei sich an der Spiegelaufnahme befestigt. Nur hatte er seine Spiegel am Lenker und deren Aufnahme befindet sich genau in der Horizontalen. Das ist leider bei der Deauville NT700 nicht der Fall.

  Spiegelaufnahme leider nicht in der Horizontalen...            


Also blieb nichts anderes übrig als mit Hilfe des Schraubstocks das Blech etwas zu biegen

...Lösung: Halterblech etwas gebogen!


Somit sitz die Kamera vom Halter her in der Horizontalen und mit der Verstellschraube kann man sie in der Vertikalen ausrichten
 

                  


Ganz erschütterungsfrei, wie wenn man die Kamera am Helm befestigt, ist das ganze trotz Bildstabilisator natürlich nicht! Ich habe die Konstruktion auch schon mit einer zusätzliche RamMount Kugel getestet, aber das hat zu keiner Besserung geführt.               

Damit kann ich erst einmal leben ;o))

03.05.2019 !!!

Damit konnte ich NICHT mehr leben!

Die Deauville als Zweizylinder produziert bei bestimmten Drehzahlen so viel Vibrationen, dass der Film mir während dieser Sequenzen einfach zu sehr wackelte.
Die einzige momentan auf dem Markt befindliche Action-Kamera, die solche Vibrationen ausgleichen kann, ist die
GoPro Hero 7 Black. Sie besitzt den sogenannten Hypersmooth, der Schläge auf das Mopped und damit auch auf die Kamera aufgrund von Unebenheiten auf der Straße sensationell ausgleicht.




Um erst einmal feststellen zu können, ob diese Action-Kamera meinen Asprüchen genügt, habe ich sie über Internet bestellt. Im Zweifelsfall hätte ich sie bei Nichtgefallen problemlos zurückschicken können.
Befestigt habe ich sie etwas anders als die Semikon. An der Spiegelhalterung sitzt nun eine rechtwinklige Ram Mount Halterung.


Ram Mount Halter


Mit den beiden anderen Befestigungen bekommt die Kamera festen Halt am Motorrad



So sieht die Konstruktion zusammengebaut aus.







Aber es kommt hier weniger auf das Aussehen, als auf die Qualität der Filmaufnahmen an.
Ab geht's zur Probefahrt.
Um wirklich erkennen zu können, ob dieser "Hypersmooth" funktioniert, benötigt man eine unebene Straße, die das Motorrad durchschüttelt und ein nervöses Drehen am Gasgriff. Letzteres war der Hauptgrund für die verwackelten Aufnahmen. Immer wenn sich der Zweizylinder im bestimmten Drehzahlbereich befand, begannen die Aufnahmen zu wackeln.
Schlechte Straßen in Deutschland zu finden, ist leider keine schwere Aufgabe mehr. Was ich normalerweise nicht mache, wird hier zu Probezwecken ausgeführt. Es werden sämtliche Schlaglöcher, Schachtdeckel und Sinkkastenoberteile überfahren. Auf freier Strecke außerhalb kommt die "nervöse Gashand" zum Einsatz. Ruckartiges Drehen am Griff auch im etwas untertourigen Bereich, um den Rahmen zum Vibrieren zu bringen.
Beim Betrachten der Aufnahmen am heimischen Computer dann das Ergebnis!
Es ist frappierend, wie diese Kamera Erschütterungen durch Überfahren von Unebenheiten sowie das Schütteln durch untertouriges Fahren "glättet". Es sind keine Wackler zu erkennen. Sensationell!

Die Kamera erfüllt absolut meine Erwartungen. Bin gespannt auf die Filme, die ich Ende Sommer in den Alpen machen kann.